Vom Überlebensmodus in den Schöpfermodus

Wir beginnen, die äußere Welt zu kontrollieren, indem wir unsere innere Welt, also unser Gefühle,
unabhängig von den äußeren Umständen regulieren.“
René Penselin

Das Leben in zwei mentalen Zuständen

Grundsätzlich können wir sagen, dass wir in zwei mentalen Zuständen leben. Entweder sind wir – und damit unser gesamtes System – im Überlebensmodus oder im Schöpfungsmodus. Im  Überlebensmodus zu leben, bedeutet Stress. Wenn wir unser Leben auf Basis von beunruhigenden Emotionen wie Angst, Wut, Frustration, Hass betrachten und analysieren, haben wir in diesem Moment keinen Zugriff auf die wirklichen Potenziale, da es gilt, das Überleben zu sichern. Wir treffen dann die Entscheidungen auf Basis unserer Vergangenheit. Denn unsere Gefühle, die wir dann in diesem Moment spüren, sind immer ein Relikt der Vergangenheit. Wir leben dann nicht nach unserem natürlichen Lebensrhythmus. In diesem Moment wird unsere Vergangenheit zu unserer Zukunft. Entscheidungen die aus dem Überlebensmodus und damit niedrig schwingenden Emotionen wie z.B. Angst oder Wut getroffen werden, unterscheiden sich dramatisch von Entscheidungen, die aus dem Schöpfermodus und damit hochschwingenden Energien wie z.B. Mitgefühl oder Vertrauen heraus entstehen.

Warum sind wir nicht mehr die Schöpfer unseres Lebens?

Der entscheidendste Grund dafür, warum Menschen in ihrem Leben nicht mehr als Schöpfer tätig sind, besteht darin, dass sie im Überlebensmodus und damit im Stress leben. Im Überlebensmodus sind unser Gehirn und unser Körper aus der Homöostase, also aus dem inneren Gleichgewicht geraten. Wenn unser Körper einen solchen Stresszustand erfährt, versuchte er wieder auf natürliche Weise Ordnung zu schaffen. Durch diese Selbstregulation werden wichtige Vorgänge in unserem Körper gesteuert. Es ist wie ein Rückkopplungssystem, das ständig einen Soll-Wert mit einem IST-Wert abgleicht und bei Abweichungen automatisch versucht, zu regulieren. Das ist ähnlich wie bei einem Thermostat. Wir können ohne die Homöostase nicht überleben und wenn sie über längere Zeit gestört ist, steuern wir auf Krankheit und Tod zu. Einfache Beispiele für die natürliche Homöostase sind die Regulation der Körpertemperatur bei Wärme oder Kälte, die Schlafregulation (innere Uhr) oder die Steuerung der sogenannten Blut-Hirn-Schranke im Gehirn. Wenn unser inneres Thermostat gestört oder defekt ist, können zahlreiche Probleme und Krankheiten wie beispielsweise Adipositas, Essstörungen, Tumore, Parkinson oder Schlaflosigkeit auftreten.

Viele Menschen fühlen sich grundsätzlich gestresst, wenn sie wegen schwierigen Umständen in einen Zustand der mentalen oder emotionalen Überlastung geraten, beispielsweise wenn sie das Gefühl haben, eine Situation nicht kontrollieren oder ein zukünftiges Ereignis nicht voraussagen zu können. Wir geraten auch in Stress, wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen, wenn wir befürchten, es könnte sich in unserem Leben etwas verschlechtern oder Erwartungen nicht erfüllen. Das, was in unserer Außenwelt passiert, können wir nicht immer kontrollieren und beeinflussen, aber wir können lernen, wie wir darauf in unseren Gedanken und demzufolge mit unseren Emotionen reagieren. An dieser Stelle sei schon einmal angemerkt, dass verschiedenste Formen der Meditation die besten Methoden sind, um unseren Geist und Körper, unser gesamtes System, wieder in die Balance zu bringen.

Wie Stress dein inneres System aus dem Gleichgewicht bringt

Wir kennen heute drei typische Arten von Stress: physischen Stress, chemischen Stress und emotionalen Stress.

– Physischer Stress können Traumata, Unfälle, Verletzungen, Stürze usw. sein
– Chemischer Stress können Grippe, Bakterien, Viren, Blutzuckerwerte, Gift im Essen usw. sein
– Emotionaler Stress können Familientragödien, Kredite, Jobverlust, Verkehrsstaus usw. sein

Egal welche Form von Stress dein Körper erfährt: Stress bringt unseren Körper aus dem Gleichgewicht und die Langzeitfolge von Stress ist immer Krankheit. Wenn wir wirklich beginnen, zu verstehen, was wir uns mit Stress selbst antun, sollte dies genug Motivation sein, um in unserem Leben etwas zu verändern.

Stress können wir als einen Zustand definieren, wo unser Gehirn, Herz und Körper aus dem Gleichgewicht geraten. Jedes System und jeder Organismus kann einen kurzfristigen Stress aushalten. Sobald du aber eine Gefahr oder Bedrohung in deiner unmittelbaren Umgebung wahrnimmst, wird dein primitives Nervensystem aktiviert, auch Kampf- oder Flucht-Nervensystem genannt. Damit hat der Organismus die Möglichkeit, der Gefahr auszuweichen und zu überleben. Die Natur hat es so eingerichtet, dass jetzt schlagartig große Mengen an Energie im Körper bereitgestellt werden. Diese Energien und Ressourcen in unserem Körper werden normalerweise dazu verwendet, um das gesamte System im Gleichgewicht zu halten und zu heilen. Jetzt wird diese gesamte Energie für ein Ziel abgezogen: zu überleben. Wenn unser System eine Gefahr wahrnimmt, wird das Notfallsystem aktiviert. Es gibt einen Energie- und Cortisolrausch. In unserem Gehirn und Körper findet eine große Erregung statt. Die ausgeschütteten Chemikalien in unserem Körper sind sehr wirkungsvoll, aber auch äußerst schädigend, da dadurch das innere Milieu, also die innere Chemie deines Körpers, durcheinander gerät. Sie verändern unsere normale Homöostase. Wenn das sympathische Nervensystem, also das Kampf- oder Fluchtnervensystem aktiviert ist, weiten sich unsere Pupillen und der Speichelfluss wird eingestellt. Wir haben einen trockenen Mund. Das Blut schießt in Arme und Beine. Jetzt ist es nicht an der Zeit, in Ruhe zu essen und zu verdauen. Jetzt geht es darum, zu kämpfen, zu flüchten oder sich zu verstecken. Aber kurze Zeit später erholen wir uns davon. Wenn zum Beispiel ein Reh von einem Raubtier gejagt wird und es entkommt, grast es schon 10 Minuten später wieder friedlich am Waldesrand. Nach dieser Stressreaktion müssen sich unsere Organe ausruhen und regenerieren.

Frühmenschen oder Urmenschen standen früher auch bei Raubtieren auf dem Speiseplan. So wurden Zahnspuren auf einem 500.000 Jahre alten Oberschenkelknochen aus Marokko gefunden, die darauf hinweisen, dass große Raubtiere einst Menschen jagten. Dies passiert bei uns ja nicht mehr ganz so oft, aber was ist, wenn das „Raubtier“ von heute dein Chef oder Arbeitskollege, die Schwiegermutter, der Partner, deine täglichen Aufgaben, der Straßenverkehr oder dein Umfeld ist? Was ist, wenn die Stressreaktion eingeschaltet wird und einfach weiterläuft? Wenn es einfach nicht mehr aufhört? Das, was eigentlich dazu dient, uns an die Umwelt anzupassen, damit wir überleben, wird fehlangepasst. Wir steuern damit geradlinig auf eine Krankheit zu. Die Frage ist: Wer oder was ist es wert?

Bis du abhängig vom Stress?

Das sympathische Nervensystem, welches im Notfallmodus aktiviert wird, ist wie ein Gaspedal im Auto und ein Großteil der Menschen drückt es oft bis zum Anschlag durch. Die Gegenspieler, das parasympathische Nervensystem, ist für die Erholung und Entspannung des Stoffwechsels zuständig. Es ist das Bremspedal im Auto. Knapp 70 Prozent der Menschen leben heute faktisch im Überlebensmodus. Man könnte sagen, sie geben die ganze Zeit Vollgas und nur ab und an tippen sie auch mal kurz auf das Bremspedal.

Wenn heute jemand sagt, dass er den Stress braucht, dann sagte er eigentlich folgendes: „Ich bin abhängig von den Chemikalien, die bei Stress in meinem Körper ausgeschüttet werden. Ich schädige mich selbst und nachhaltig, damit ich etwas umsetzen kann.“

Mensch und Tier sind nicht dafür geschaffen, lange Zeit im Notfallmodus zu leben. Wenn dein Körper große Mengen an Energie gegen eine Bedrohung durch die Außenwelt mobilisiert, gibt es in deinem Inneren keine Energie mehr für Heilung und Wachstum. Durch die toxischen Chemikalien, die in einem Stresszustand ausgeschüttet werden, können wir wie ein Junkie süchtig werden. Wir beginnen, die Probleme unseres Lebens zu benutzen, um die Konditionierung, unsere Sucht nach diesen Emotionen zu befriedigen. Wir werden abhängig von diesem Cortisol- und Adrenalinrausch im Körper und brauchen wie ein Drogensüchtiger den nächsten „Schuss“: unseren schlechten Job, unsere schlechte Beziehung, die schlechte Situation in unserem Leben. Dein Leben gefällt dir zwar nicht, aber du willst es trotzdem haben. In unserem Neokortex, dem denkenden Gehirn, können wir so wunderbar über unsere Vergangenheit und Zukunft nachdenken und alles für uns im Geiste sehr realistisch machen. Der Mensch ist etwas wirklich Besonderes, weil er über seine Probleme nachdenken und sich den schlimmsten Fall vorstellen und in starken Farben ausmalen kann. Wir können allein durch unsere Gedanken jede Stressreaktion und das damit einhergehende Gefühl erzeugen, also Stresshormone in unserem Körper aktivieren. Du kannst also süchtig nach deinen Gedanken und Gefühlen werden und vielleicht bist du es ja schon. Das ist die direkte Geist-Körper-Verbindung. Die gute Nachricht ist, dass spezielle Formen der Meditation dir dabei helfen können, aus diesem Circulus Vitiosus- dem Teufelskreis auszusteigen.

Im Kurs „Meditation und Achtsamkeit – Ein Leben ohne Stress“ werden wir uns genau damit beschäftigen. Gern kannst du dich auch für den Newsletter eintragen, um weitere Artikel zu empfangen.

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