Loslassen lernen

Loslassen lernen: Wie Du Vergangenes loslässt und aufhörst zu kämpfen

Wir Menschen sind ständig am Kämpfen. Wir halten ständig an etwas fest und es fällt uns schwer loszulassen. Festhalten an etwas oder jemanden bedeutet immer einen inneren Kampf. So halten wir oft fest und kämpfen zum Beispiel mit den Problemen der Vergangenheit auf ganz unterschiedliche Arten:

  • wir bedauern „Fehler“, was dazu führt, dass wir uns schlecht fühlen
  • wir fühlen Wut auf jemandem, der uns (aus unserer Sicht) etwas getan hat
  • wir spüren Frustration über bisherige Entwicklungen im eigenen Leben
  • wir haben den Wunsch, dass etwas anders gelaufen wäre
  • wir erzählen uns immer wieder eine Geschichte über Geschehnisse, die uns deprimieren, verletzen oder traurig machen
  • wir durchleben immer wieder einen Streit, der uns nicht mehr aus dem Kopf geht
  • wir denken immer wieder darüber nach, was gerade jemand getan hat und wovon wir uns einfach nicht lösen können

Das ist ein ständiger Kampf im Kopf!

Loslassen lernen

Stelle dir z.B. nur einen Augenblick vor, du bist ein Krieger, der ständig auf neue Feinde trifft und diese bekämpfen muss. „Koste es was es wolle.“

Das Kämpfen erfordert den Einsatz von unglaublich viel Energie. Deine innere Energie, die ständig aufgebracht werden muss. Ein Energieeinsatz der dich mit der Zeit müde macht und auslaugt. Viele von uns merken es dann, wenn Sie plötzlich einmal zur Ruhe kommen (z.B. am späten Abend oder im Urlaub) und dann – hoffentlich – auf dem Sofa „zusammenbrechen“. Auch der stärkste Krieger braucht irgendwann einmal Ruhe und eine Auszeit. Wenn wir darüber sprechen, dann spiegelt es sich auch ganz klar in unserer Sprache wieder. Wir sprechen dann vom „Kopfkino“ oder „ich zerbreche mir den Kopf darüber“ oder „ich kann nicht abschalten“ u.v.m. Wie anstrengend das auf Dauer ist und welchen permanenten Druck das erzeugt, dem wir da standhalten, wissen wohl die meisten von uns. Wir können aber loslassen lernen.

Was wäre, wenn wir einfach die Dinge loslassen lernen könnten, die passiert sind und stattdessen im jetzigen Moment ankommen würden?

Was wäre, wenn wir die Vergangenheit einfach Vergangenheit sein lassen würden und uns von ihr entlasten und lösen könnten?

Was wäre, wenn wir das Festhalten an der Vergangenheit, die uns momentan verletzt, lösen… und wir das Loslassen lernen eher als einen Akt der Selbstliebe ansehen, um heilen zu können?

Loslassen lernen

Genau das setzt in diesem Augenblick unglaublich viel Energie frei, die dir plötzlich zur Verfügung steht. Du löst dich von den eigenen mentalen Fesseln und gewinnst persönliche Freiheit. Freiheit von den eigenen oft negativen und begrenzenden Gedanken. In meinem persönlichen Leben nehme ich das als eine Art persönlichen Durchbruch und Wachstumsschub war.

Obwohl es nicht immer leicht ist und zunächst ein wenig Übung braucht, können wir dies erreichen. Hier ist ein 4-Schritte-Modell, welches ich empfehle, wenn du loslassen lernen möchtest. Du kannst dazu auch für einen kurzen Moment die Augen schließen.

Loslassen lernen in 4 Schritten

Schritt 1: Erkenne, was dich verletzt.

Im Moment hast du irgendeine Form von Schmerzen oder Schwierigkeiten. Du spürst z.B. Wut, Frustration, Enttäuschung, Reue, Traurigkeit. Vielleicht ärgerst du dich immer noch über ein Gespräch mit deinem Partner oder Kollegen? Vielleicht über eine verpasste Chance? Vielleicht über einen begangenen Fehler? Vielleicht fühlst du dich gerade einfach etwas frustriert? Vielleicht beschäftigt dich etwas, was du einfach nicht aus dem Kopf bekommst, was genau ist es?

Erkenne zunächst das Problem.

Mach dir als nächstes klar, dass es eine „nur eine Geschichte“ in deinem Kopf ist, die dich beschäftigt. Dabei ist es egal, ob sich diese Situation kürzlich oder schon vor einer gewissen Zeit ereignet hat. Du wirst das Gefühl haben, dass das Problem oder der Schmerz dem entspringt, was damals passiert ist. Aber was geschehen ist liegt in der Vergangenheit. Es ist „vergangen“. Den Schmerz fühlst du allerdings gerade jetzt immer und immer wieder. Der Grund hierfür ist deine Geschichte über die Situation in deinem Kopf.

„Geschichte“ soll hierbei nicht etwa „Märchen“ bedeutet. Es bedeutet aber auch nicht, dass es die „Wahrheit“ ist. Das Wort „Geschichte“ impliziert kein gut oder böse, richtig oder falsch oder irgendein anderes Urteil. Es bezieht sich allein auf den Prozess, der in deinem Kopf stattfand.

  1. Du erinnerst dich, was passiert ist.
  2. Du hast eine Perspektive auf die Geschehnisse, ein Urteil, eine Möglichkeit die Dinge zu sehen, die dich vielleicht auch als den Geschädigten darstellt.
  3. Dies induziert eine (meist negative) Emotion.

Also nimm deine Geschichte zunächst einfach als Erleben der Dinge an. Verurteile und Werte das Erleben oder dich selbst dabei nicht. Es ist ganz natürlich eine eigene Sicht auf die Dinge zu haben. Du solltest dabei eben nur erkennen, dass es deine ganz persönliche Ansicht ist, die gleichzeitig der Grund für deine Schwierigkeiten, Frustration und Schmerzen ist.

Der Ablauf der oft unbewussten Prozesse hierbei sieht in etwa so aus:

  1. Erinnerung, Gedanken, Bilder, Sätze, innere Stimmen im Kopf (z.B. an eine alte Geschichte)
  2. Ausmalen und wiederdurchspielen der Geschichte (oft in Farbe und allen Details)
  3. Gefühle werden – meist unbewusst – immer wieder gespürt (oft genauso intensiv als wenn ich es gerade in Echt erlebe)

Schritt 2: Bleibe bei deinem physischen Empfinden

Als nächstes solltest du dich von der Geschichte in deinem Kopf abkehren und dem Gefühl in deinem Körper zuwenden. Das ist das physische Empfinden: es zeigt sich beispielsweise als Enge in der Brust, als Leere, als ein stechender Schmerz, als Energie die vom Solar Plexus aus in den ganzen Körper strahlt, ein Stechen im Herzen, Druck bzw. ein flaues Gefühl im Bauchbereich oder viele andere Formen.

Du solltest dich dem physischen Empfinden praktisch stellen und deine Aufmerksamkeit von der Geschichte in deinem Kopf auf deine Gefühle im Körper konzentrieren.

Kleiner Tipp um die eigenen Gefühle zu erforschen:

Um sich darauf einzulassen ist das Entscheidende, dass du dich mit zwei Fragen auseinandersetzt:

  1. Bin ich jetzt bereit, dass Gefühl zu fühlen, selbst mit der Angst das es mich überwältigt?
  2. Und: Warum will ich es eigentlich fühlen?

Wenn wir bereit sind die Gefühle zu fühlen, egal, was dabei auf uns zukommt, dann ist das so etwas, wie das Gefühl einladen. Diese Einladung entsteht aus dem Wunsch heraus, die Wahrheit zu entdecken.

Bleibe dort und tritt dem Gefühl mit Mut entgegen – normalerweise vermeiden wir das Gefühl eher, da es unangenehm ist und Angst verursacht.

Bleibe dort und erkunde das Körpergefühl mit Neugier:

  • Wie fühlt es sich an?
  • Wo ist es zu lokalisieren?
  • Verändert es sich?
  • Wie groß ist es?
  • Welche Form hat es?

Wenn es unerträglich werden sollte, dann teile den Prozess in kleine Teilschritte auf; finde einen Weg, der für dich möglich ist. Wenn das Gefühl intensiv war, dann kann der Prozess des Zuwendens ebenfalls sehr intensiv werden.

Allerdings haben wir für die Gefühle immer auch die Gewissheit, dass wir es durchstehen können, dass dies nicht das Ende der Welt ist. Es ist oft sogar nur eine kurze Unannehmlichkeit, kein schwarzes Loch, dass alles verschlingt, nichts worüber man in Panik ausbrechen müsste.

Bleib bei diesem Gefühl und sei sanft und freundlich. Umarme das Gefühl, wie du es bei einem guten Freund tun würdest. Du wirst so besser mit unangenehmen Erfahrungen umgehen können und einen Weg des Mutes beschreiten.

Schritt 3: Atme aus. Lass los.

Atme deine Schwierigkeiten ein und atme Leichtigkeit und Frieden aus.

Es handelt sich hierbei um eine tibetanisch-buddhistische Übung namens „Tonglen“: Atme jegliches schwierige Gefühl ein, was du fühlen könntest und atme ein Gefühl der Entlastung von diesen Schwierigkeiten aus.

Loslassen lernen

Zum Beispiel:

  • Wenn du frustriert bist, atme die gesamte Frustration ein und atme Frieden aus.
  • Wenn du traurig bist, dann atme deine gesamte Trauer ein und atme Glücks-Gefühle aus.
  • Wenn du etwas bereust, atme die gesamte Reue ein und atme Freude und Dankbarkeit aus.

Tu dies für eine Minute.

Verbildliche wie du die Frustration in dich aufnimmst und dann das Gefühl des Friedens, wie es aus dir strömt und alle frustrierten Menschen um dich herum gleichzeitig mit ansteckt.

Diese wunderbare Übung kannst du jeden Tag (gern auch mehrmals) durchführen. Anstatt von deinen Problem-Gefühlen wegzulaufen, nimmst du es in dich auf, absorbierst es. Das tust du übrigens dabei auch für die anderen Menschen in deiner Umgebung, was uns aus unserem egozentrischen Modus herausbringt und uns auf andere Menschen fokussieren lässt.

Sobald du damit beginnst, fängst du automatisch an, deinen Schmerz und deine Schwierigkeiten loszulassen.

Schritt 4: Kehre dich mit Dankbarkeit dem „Jetzt“ zu

Wenn du fühlst, dass du losgelassen hast, anstatt dich weiterhin nur in deiner „Kopf-Geschichte“ zu befinden, dann sieh dich im Hier und Jetzt um.

Was siehst du?

Schätzt du, was du siehst? Wofür genau kannst du in diesem Augenblick dankbar sein?

Wieso ist dieser Schritt wichtig?

Weil wir uns eher darauf konzentrieren, was uns mal widerfahren ist, anstatt was im Moment geschieht. Wir schätzen den jetzigen Moment nicht. Das können wir ja auch gar nicht – unsere Köpfe sind voll mit Vergangenem.

Das Leben findet jedoch genau in diesem Augenblick statt und nicht gestern und nicht morgen.

Wenn wir also beginnen die Vergangenheit loszulassen, haben wir unsere Kelche entleert und erlauben ihnen, dass sie mit der Gegenwart gefüllt werden.

Dann sollten wir uns der Gegenwart zuwenden und dankbar dafür sein, was wir im Moment haben, anstelle von dem unglücklich erfüllt zu sein, was wir nicht haben.

Mit etwas regelmäßiger Übung können wir loslassen lernen. Der „Krieger“ im Kopf wird immer leiser und du wirst mehr und mehr bemerken, dass bei dir innerliche Ruhe und Entspannung einkehren.

Loslassen lernen und nicht mehr kämpfen oder an etwas oder an jemanden festhalten, bedeutet für dein Leben, ein Leben im Fluss und ein Leben im „Hier und Jetzt“.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.